Bericht von Marie Schülpke

Deutschland, Nordrhein-Westfalen
Ohne Schule: 9 Jahre
Freiheitsgrad: 5
1 (Schule zu Hause, Stundenplan,...) bis
5 (Ich konnte lernen was, wann und wo ich wollte!)


Schulabschluss:
Was machst Du derzeit?:

Was war deine Motivation für ein Lernen ohne Schule?

Ich habe mich als Kind in der Schule sehr unwohl gefühlt, wirklich eingeengt und unter Druck gesetzt. Den ganzen Tag irgendeinen Lernstoff zu bearbeiten anstatt spielen zu können hat mir wirklich sehr zugesetzt. Ich hatte fast täglich Kopfschmerzen und richtige Migräneanfälle, war immer müde und unkonzentiert. Irgendwann hat meine Mutter einfach gesehen, wie schlecht es mir ging, und auch vielen Schülern in ihrer Klasse (Sie war Lehrerin an der Schule, auf der ich war) und hat sich erkundigt, was es für Alternativen gibt. Da wir auch gerne Reisen wollten, war Unschooling für uns dann einfach genau das Richtige :)

Erzähle uns bitte ein bisschen über deine “Bildungskarriere”, wann hast du zu Hause gelernt, wann in der Schule?

Von der ersten bis zur dritten Klasse bin ich auf zwei unterschiedlichen Waldorfschulen gewesen, dann haben wir uns fürs Unschooling entschieden, was wir mit Ausnahme einer kleinen Unterbrechung, in der ich auf einer freien Schule in Erfurt war, mehrere Jahre so gemacht haben. 2014 habe ich an der Schule für Circuskinder in NRW dann meinen Realschulabschluss gemacht und jetzt besuche ich ein College in England und mache gleichzeitig noch einen Highschoolabschluss, mit einem Programm, das Clonlara heißt.

Wie war der Lern-Alltag gestaltet?

Jeder Tag war bei mir ganz unterschiedlich, einen richtigen Alltag gab es eigentlich gar nicht. Ich habe immer einfach das gemacht, wozu ich an dem Tag Lust hatte. Da meine Familie und ich sehr viel gereist sind, war jeder Tag ganz anders und mein Alltag sehr abwechslungsreich. Ich habe neue Länder erkundet, in unserem Familienprojekt mitgearbeitet, (wir haben ein künstlerisch, interaktives Programm für Kinder) und viel Kreatives gemacht wie zeichnen, nähen und schminken.

Jeder Mensch lernt verschieden. Kannst du uns von einem Beispiel erzählen, wie du dir ein bestimmtes Thema ganz individuell erarbeitet hast?

Eine meiner liebsten Beschäftigungen war immer das Zeichnen. Das habe ich dann natürlich auch sehr viel geübt. Mir war es wichtig so gut wie möglich zeichnen zu lernen und ich habe auch schon immer überlegt, dass ich gerne beruflich was damit machen möchte, lange Zeit wollte ich zum Beispiel Modedesignerin werden. Um meine Fähigkeiten zu verbessern habe ich vor allem viele Bücher zum Thema gelesen und Videos auf Youtube geschaut, die sehr hilfreich waren aber ich habe auch hin und wieder Unterricht genommen. Jetzt studiere ich Kunst und Design.

Was sind deine Interessen und wie beschäftigst du dich mit ihnen?

Wie schon gesagt zeichne und male ich sehr gern, aber ich mache auch andere kreative Sachen so wie nähen, basteln, body painting und so was. Außerdem lese ich super gerne, mache was mit Kindern und liebe es zu reisen!

Welche Bücher, Programme, Webseiten und Tools hast du zum Lernen verwendet und kannst du empfehlen?

Ich glaube, das kommt ganz auf das jeweilige Thema an, für das sich jemand interessiert. Mir haben Youtube Videos zu allem immer sehr geholfen und natürlich Seiten wie wikipedia, wo man alles mal schnell nachgucken kann um einen ungefähren Überblick zu haben, aber eigentlich kann man wirklich mit fast allem lernen!

Wie hast du dich auf Deinen Abschluss vorbereitet?

Ich war zu der Zeit bei der Schule für Circuskinder eingeschrieben, die mir per online Unterricht geholfen haben mich vorzubereiten, ansonsten habe ich einfach zu Hause mit meiner Familie gelernt.

Würdest du dir für deine Kinder ein Lernen ohne Schule wünschen?

Ja, ich würde meine Kinder auch ohne Schule lernen lassen!

Ich glaube, dass Kinder und eigentlich jeder, am besten in einem freien, natürlichen Umfeld ganz ohne Druck lernen! Jeder Mensch hat von Natur aus Interesse am Lernen und ist neugierig und bei Kindern ist dies besonders stark, sie wollen immer alles wissen und ich glaube, dass dem Kind seine jeweiligen persönlichen Fragen zu beantworetet viel wirksamer ist als zu bestimmen was und wann es lernt. Ich glaube, dass das Leben einfach zu leben die beste Vorbereitung auf's Leben ist :) Wenn ich Kinder hätte, die unbedingt zur Schule wollen, würde ich sie das aber auch ausprobieren lassen.