Bericht von Lena Schmitt *

Österreich
Ohne Schule: 11 Jahre
Freiheitsgrad: 5
1 (Schule zu Hause, Stundenplan,...) bis
5 (Ich konnte lernen was, wann und wo ich wollte!)


Schulabschluss: Realschule
Was machst Du derzeit?: Arbeit
Bist du angestellt oder Selbstständig?: beides

In welcher Branche arbeitest du? Gern auch mit Arbeitgeber :)

Mal hier mal da. Ich jobbe momentan eigentlich nur, um mir etwas Geld zu verdienen, aber ich bin nirgendwo fest angestellt. Ich lerne ja nebenbei auch noch für's Abitur, welches ich vorhabe extern zu absolvieren.

Was war deine Motivation für ein Lernen ohne Schule?

Als ich vier war, nahm mich meine Mutter aus dem Kindergarten. Sie hatte ein Buch gelesen, in dem es um's Freilernen ging und daraufhin entschlossen, dass ich und meine Schwester in dieser Freiheit aufwachsen sollten. Ich selbst habe das eigentlich gar nicht veranlasst.

Erzähle uns bitte ein bisschen über deine “Bildungskarriere”, wann hast du zu Hause gelernt, wann in der Schule?

Wie gesagt mit vier Jahren nahm mich meine Mutter aus dem Kindergarten, ich wuchs als Freilernerin auf. Mit 14 entschied ich mich dann auf eine Montessori-Schule zu gehen, damals hauptsächlich aus sozialen Gründen, ich wollte mich in der Öffentlichkeit nicht mehr verstecken müssen und "dazugehören". Außerdem wollte ich einfach wissen, wie es ist ganz normal zur Schule zu gehen.

Naja, nach der 10. Klasse habe ich die Schule dann wieder verlassen. Ich habe da einfach nicht reingepasst in dieses System. Ich hatte zwar Freunde und eigentlich immer durchschnittlich gute Noten, aber es hat mich gestört, dass immer nur auf die nächste Abschlussprüfung hin auswendig gelernt und dabei jede Individualität meist komplett ignoriert wurde.

Ja und jetzt bin ich wieder Freilernerin. Ich habe aber vor, das Abitur extern zu absolvieren, da das einem einfach ein Stück Sicherheit gibt. Aber ich bereite mich jetzt ganz individuell, in meinem eigenen Tempo (soweit das eben geht) darauf vor.

Wie war der Lern-Alltag gestaltet?

Ich setze mir jeden Monat bestimmte Ziele.
Ja und dann lerne ich jeden Tag meistens das, was mich zu dem Zeitpunkt am meisten interessiert.
Ungefähr eine Stunde am Tag mindestens, oft auch mehr. Wenn man nicht den Druck von außen hat, etwas in bestimmter Zeit lernen zu müssen, dann fällt es einem viel leichter sich für den Stoff zu begeistern und ihn zu verinnerlichen. Das ist dann kein Zwang mehr...

Jeder Mensch lernt verschieden. Kannst du uns von einem Beispiel erzählen, wie du dir ein bestimmtes Thema ganz individuell erarbeitet hast?

Ich lerne gut durch's sehen und hören.
Ich weiß noch, wie ich mit 12-13 Jahren geschichtliche Themen dadurch erarbeitet habe, dass ich mir enorm viele Wissenssendungen im Fernsehen angesehen habe.

Außerdem habe ich mir einfach Filme, oder die momentane Lieblingsserie in der jeweiligen Fremdsprache angesehen (ggf. mit Untertitel). Auch wenn man natürlich anfangs nicht wirklich viel versteht, bringt es doch wirklich etwas, man bekommt einfach ein Gefühl für die Sprache. Außerdem lässt sich die Bedeutung vieler Wörter dann sowieso aus dem Zusammenhang erschließen.

Karteikarten haben bei mir nie wirklich was gebracht.

Was sind deine Interessen und wie beschäftigst du dich mit ihnen?

Ich habe bis ich an die Montessori- Schule ging jeden Tag sehr viel gezeichnet und war generell sehr kreativ. Das hat dann mit der Schule aber sehr stark nachgelassen. Mittlerweile nehme ich mir für solche Dinge aber wieder mehr Zeit.

Außerdem singe ich sehr gerne und oft (vor allem Cover). Aber das ist bis jetzt nur so ein Hobby.

Ansonsten bin ich da wie jeder andere auch, ich lese gerne, schaue Serien, unternehme etwas mit Freunden usw....

Welche Bücher, Programme, Webseiten und Tools hast du zum Lernen verwendet und kannst du empfehlen?

Klar kann ich ein paar Websites empfehlen.

Allgemein:
www.sofatutor.com
www.statista.com
www.frustfrei-lernen.de

Sprachen:
www.babbel.com
www.duolingo.com
www.multilingual.de

Mathe:
www.mathe-trainer.com
www.matheaufgaben.net

Natürlich gibt es noch viel mehr Websites, aber das sind alle, die mir jetzt so spontan eingefallen sind.

In vielen Situationen haben mir vor allem folgende Bücher weitergeholfen: "Mathe für Eltern" von Carol Vorderman, "Blitz-Mathematik mit dem Vedischen System" von Vali Nasser, "Mathe Magie" von Arthur Benjamin und Michel Shermer, "Vergangene Reiche & Kulturen" von Markus Hattstein, das "Jugend Lexikon" von Bertelsmann und natürlich solche Klassiker, wie PONS und Duden, aber ich denke die kennt jeder!

Als Lernprogramm kann ich den Sprachkurs "Assimil Multimedia Plus" empfehlen.

Wie hast du dich auf Deinen Abschluss vorbereitet?

Hauptsächlich mit Hilfe der oben genannten Websites und natürlich einiger Bücher. Außerdem durch (fast)tägliches üben und (auswendig)lernen aber auch durch den Austausch mit Freunden über gewisse Themen, die man vielleicht noch nicht ganz verinnerlicht hatte.

Würdest du dir für deine Kinder ein Lernen ohne Schule wünschen?

Ja, ich würde meine Kinder auch ohne Schule lernen lassen!

Ich finde, dass sich das jetzige Schulsystem ändern muss. Es wird viel zu wenig auf die individuellen Begabungen und Interessen geachtet. Manch einer hat eben eine "Begabung" für Mathe, ein anderer wieder für Deutsch, oder Geschichte. Jeder hat seine Stärken und Schwächen und manchmal braucht es auch nur seine Zeit, bis man sich für ein Thema begeistert. Wenn ich irgendwann mal Kinder haben sollte, würde ich wollen, dass sie die Chance kriegen, sich individuell zu entfalten!

Ich würde ihnen die Wahl lassen.